CLOSE UP

Leuchtende Melancholie: Die Werke von Annemarie Terlage

Annemarie Terlage (*1967) schafft einen Raum, in dem Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen. Mit ihrer einzigartigen Mischung aus Epoxid-Technik und Motiven der Mid-Century-Architektur sowie barocken Innenräumen, lädt sie die Betrachter ein, eine emotionale Reise zu unternehmen – eine Reise, die von Schönheit und Melancholie gleichermassen geprägt ist.

Während die Kunstwelt oft von Innovation und Konzeptualität dominiert wird, blickt Terlage bewusst zurück. Vergangene Zeiten in einer historischen Rekonstruktion wiederzubeleben ist jedoch nicht ihr Ziel. „Für mich ist es entscheidend, eine bestimmte Emotion zu einem bestimmten Moment einzufangen“, erklärt sie. Ihre Liebe zur Technik und die Verwendung von Epoxid- und Acrylfarben ermöglicht es ihr, eine Brücke zwischen Alt und Neu zu schlagen, ohne sich in historischen Kontexten zu verlieren.

Whenever Wherever, Acryl und Epoxid auf Leinwand, 150 x 180 cm.

Die Arbeiten von Terlage ziehen die Betrachterinnen durch ihre leuchtenden Farben sofort in ihren Bann. Ihre Mid-Century-Werke sprühen vor Lebendigkeit und öffnen ein Fenster zu Momenten einer glücklichen Vergangenheit. Doch je länger man verweilt, desto mehr breitet sich eine Melancholie aus, hervorgerufen durch die Leere der Räume und das Fehlen von Menschen. Diese Ambivalenz – eine Mischung aus Lebensfreude und Wehmut – zieht sich durch ihr gesamtes Werk und ist auch in ihren neusten Arbeiten sichtbar: barocke Innenräume, deren reduzierte Farbgebung die Schwere der Möbel, Stuckaturen und Boiserien aufgreift und verstärkt. Tritt man jedoch näher an die Gemälde heran, zeigt sich eine sanfte, durchlässige Qualität, die Terlage mithilfe der Epoxid-Technik erreicht, bei der die Oberfläche des Werks eine fast aquarellartige Leichtigkeit erhält. Der Spiegeleffekt, der dadurch entsteht, ist kein Zufall: „Die Idee ist, dass der Betrachter sich selbst in das Bild versetzen kann“, erklärt sie. Diese Spiegelung verstärkt somit den Dialog zwischen Gegenwart und Vergangenheit, indem der Betrachter selbst Teil der emotionalen Erinnerung wird.

Stillness Within, Acryl und Epoxid auf Leinwand, 150 x 180 cm.

Da Terlage aus den Niederlanden stammt, können ihre ambivalenten Werke leicht Assoziationen zum Goldenen Zeitalter wecken – einer Epoche von Wohlstand und kulturellem Reichtum, aber auch von Ausbeutung und Kolonialisierung. Doch Terlage betont, dass es ihr nicht darum geht, die Geschichte kritisch zu hinterfragen. „Ich versuche, das Konzept nicht zu wichtig zu nehmen, vor allem nicht in Bezug auf den Inhalt“, erklärt sie. „Ich stelle die Schönheit vergangener Zeiten zur Schau, aber ich möchte nicht die Dunkelheit dieser Epochen thematisieren.“ Ihre Arbeiten sind demnach nicht darauf ausgerichtet, eine kritische Auseinandersetzung zu fordern, sondern laden stattdessen zu einer ästhetischen und emotionalen Erfahrung ein, bei der die Betrachterin in die Schönheit vergangener Zeiten eintauchen kann.

Annemarie Terlage, 2023.

In einer Welt, die oft von der Suche nach Neuem und Konzeptuellem dominiert wird, stellt sich die Frage: Was bleibt? Welche Werte werden in einer sich ständig wandelnden Welt bewahrt? Terlages Werke bieten eine Antwort auf diese Frage. Ihre Kunst holt das Vergangene ins Heute. Sie ist eine Einladung, zurückzublicken, zu reflektieren und die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart in einem Moment der Schönheit und Ästhetik zu erleben. „Manchmal muss man zurückblicken, um wirklich nach vorne sehen zu können“, so Terlage.

*Annemarie Terlages Werke sind noch bis zum 22. März 2025 in der Ausstellung Time Travelers, Capturing Eras in der Impulse Gallery in Luzern zu sehen.